VERBAND UNABHÄNGIGER MUSIKUNTERNEHMEN E.V.
ACT UNITED - STAY INDEPENDENT
Presse 21.09.2012

Aus 4 mach 3

Universal Music darf den britischen Konkurrenten EMI schlucken - aber nicht vollständig... Stellungnahme von Impala, Merlin & Martin Mills

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme des Musikgeschäfts von EMI durch die Universal Music Group nach der EU-Fusionskontrollverordnung freigegeben.
Die Genehmigung ist an die Auflage geknüpft, dass das Plattenlabel Parlophone und zahlreiche andere weltweit bestehende Vermögenswerte im Musikgeschäft von EMI veräußert werden. Nach Auffassung der Kommission hätte beim Vorhaben in seiner ursprünglich angemeldeten Form die Gefahr bestanden, dass sich die Lizenzbedingungen für digitale Plattformen, über die Musik an Verbraucher verkauft wird, erheblich verschlechtern. Universal machte umfassende Zusagen, um diese wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen. In Anbetracht dieser Verpflichtungsangebote kam die Kommission zu dem Schluss, dass die Übernahme in der geänderten Form wettbewerbsrechtlich unbedenklich ist.

„Das Musikgeschäft braucht Wettbewerb, damit ein größeres Produktangebot, Innovationsanreize und kulturelle Vielfalt gewahrt bleiben. In dieser Prüfung haben wir insbesondere digitale Innovation als maßgeblichen Faktor des Musikkonsumverhaltens berücksichtigt. Durch die überaus umfangreichen Zusagen von Universal ist sichergestellt, dass der Wettbewerb in der Musikbranche gewahrt bleibt und die europäischen Verbraucher weiterhin sämtliche Vorteile nutzen können,
" erklärte der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission Joaquín Almunia.

Im Zuge der Übernahme schließen sich zwei der vier weltweit größten Tonträgerunternehmen zusammen, so dass es lediglich drei „Majors“ auf dem Markt geben wird. Die Bedenken der Kommission richteten sich vor allem darauf, dass Universal nach dem Zusammenschluss eine übermäßige Marktmacht gegenüber seinen Direktkunden hätte, die physische und digitale Tonträger im Großhandel vertreiben. Die Kommission konzentrierte ihre Prüfung insbesondere auf Tonträgerunternehmen, die digitalen Großhändlern wie Apple und Spotify Lizenzen für ihre Musik erteilen. Dabei stellte sie fest, dass sich Universal bei der ursprünglich angemeldeten Form so vergrößert hätte, dass das Unternehmen von den Anbietern digitaler Musik höhere Preise und kostspieligere Lizenzbedingungen hätte auferlegen können. Dies hätte die Möglichkeiten innovativer Anbieter für die Ausweitung ihres Angebots oder neue Musikangebote beeinträchtigt und letztlich die Auswahl an digitaler Musik für die Verbraucher sowie die kulturelle Vielfalt im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eingeschränkt.

Bereits im April hatte die EU-Kommission den Weg für die Übernahme des EMI-Verlagsgeschäfts - also der Musikrechte-Sparte des Konzerns - durch eine von Sony angeführte Investorengruppe freigemacht. Der Niedergang des traditionsreichen britischen Musikkonzerns, der die Beatles, die Beach Boys oder Robbie Williams zu Weltstars machte, begann vor fünf Jahren. Damals schluckte der Investor Terra Capital EMI und übernahm sich damit.


Verpflichtungen

Um die Bedenken der Kommission auszuräumen, verpflichtete Universal sich zu Veräußerungen wichtiger Vermögenswerte.
Veräußert werden sollen unter anderem EMI Recording Limited, Eigentümer des Kult-Plattenlabels Parlophone (hat Künstler wie Coldplay, David Guetta, Lilly Allen, Tinie Tempah, Blur, Gorillaz, Kylie Minogue, Pink Floyd, Cliff Richard, David Bowie, Tina Turner und Duran Duran unter Vertrag) und EMI France (führt den David Guetta-Katalog), die Klassiklabels von EMI, Chrysalis (hat The Ramones und Jethro Tull unter Vertrag), Mute (das Label von Depeche Mode, Moby und Nick Cave & The Bad Seeds) sowie verschiedene weitere Labels und eine große Anzahl von lokalen EMI-Unternehmen. Ferner soll das Labellizenzierungsunternehmen Coop, das Künstler wie Mumford and Sons, Garbage und Two Door Cinema Club vermarktet, verkauft werden.
Darüber hinaus sagte Universal zu, den 50%igen Anteil von EMI an dem Gemeinschaftsunternehmen für Zusammenstellungen „Now! That’s What I Call Music“ zu verkaufen und die Lizenzierung seines Repertoires für diese Zusammenstellungen in den nächsten zehn Jahren fortzuführen.
Ferner verpflichtete sich Universal, in den nächsten zehn Jahren in neue oder neu verhandelte Verträge mit digitalen Verbrauchern im EWR keine Meistbegünstigungsklauseln zu seinen Gunsten aufzunehmen. Meistbegünstigungsklauseln verpflichten digitale Verbraucher dazu, jede den Wettbewerbern von Universal eingeräumte günstige Bedingung auf Universal auszuweiten. Diese Verpflichtung ermöglicht den Wettbewerbern von Universal freiere Verhandlungen mit digitalen Verbrauchern und führt zu fairen Wettbewerbsbedingungen zwischen diesen Wettbewerbern und Universal.
Die zu veräußernden Rechte gelten weltweit und betreffen sowohl digitale als auch physische Tonträger. Die Veräußerungen stellen sicher, dass die veräußerten Künstler und Kataloge verlässlich und konkurrenzfähig durch den Eigner genutzt werden können.
In Anbetracht dieser Verpflichtungsangebote kam die Kommission zu dem Schluss, dass auf dem digitalen Musikgeschäft im EWR weiterhin ein angemessener Wettbewerb herrschen und das Vorhaben keine negativen Auswirkungen auf die Verbraucher haben wird.

Kommentare:

Helen Smith, Executive Chair, IMPALA commented: "This decision has finally put a freeze on Universal's ability to expand further and sets a benchmark for constraining abusive behaviour across the whole market. Following the approval of the Sony/EMI merger, however, this decision nonetheless reinforces what is already a powerful duopoly. Contrary to the basic principles of competition in cultural markets, artists and consumers will ultimately pay the price. We will consider our options with our lawyers as soon as the full decision is published. In the meantime, it is vital that the divestments process balances the market and maximise competitive forces to the duopoly."

Martin Mills, Chairman of Beggars Group: "It's good to see that the Commission has seen this deal as such a threat to the market that it has demanded and received truly swinging commitments on divestments. However, that should not conceal that fact that Universal's arrogance has paid off for them, that they have destroyed a significant competitor, and that even with these divestments their ability to dominate and control the market has reached even more unacceptable levels. Anyone trying to start a new digital service will be realising that very soon, and we will continue to look to the regulators to monitor ongoing behaviour.

Charles Caldas, Merlin: "Merlin is disappointed that Universal has been allowed to enhance its market leading position - even to a limited degree. That said, the concessions Universal has had to make to get this deal through are significant, and must make this a very different deal to the one Universal originally envisioned. Merlin's concerns remain as they have from the start - to ensure the development of a healthy and competitive digital music sector. In that context, we now have to face the possibility that the digital market could be dictated and controlled by two super majors (Universal and Sony), which would not be a healthy outcome. Therefore, Universal's enforced global divestments, including what appears to be the majority of EMI in Europe, must now involve buyers who can ensure effective ongoing competition in the digital market".

Die EU Entscheidung im Wortlaut

Die EU hat ein FAQ zum Universal/EMI Merger veröffentlicht.

Tags: Wirtschaft,Pressemitteilungen

Kategorie: Presse

Zum Thema