VERBAND UNABHÄNGIGER MUSIKUNTERNEHMEN E.V.
ACT UNITED - STAY INDEPENDENT
Indies 02.11.2012

Worum geht´s hier eigentlich?

Gregor Samsa ist sowas von nominiert für die Indieaxt 2012!

Was ist jetzt Indie, und warum soll Gregor Samsa (Inhaber des Labels Sounds of Subterrania) die Indieaxt bekommen? Er selbst drückt es ja ungefähr so aus: Independent liegt in dem Bewusstsein, sich entschieden zu haben für die Kunst zu leben. Die Frage nach dem Überleben durch die Kunst stellt sich deshalb vorerst nicht. Auch Kollege Hendrik Menzl sagte einmal, es gehe darum, die Kunst so sein zu lassen wie sie ist. Es gibt da draußen Musiker, die sich aus voller Überzeugung für die Independentstruktur entscheiden. Sie wollen sich die größtmögliche Freiheit und Unabhängigkeit erhalten, um ihr „Ding“ genau so auf die Straße zu bringen, wie sie es wollen.

Samsa geht es im Grunde darum, diesen Leuten mit seinem Label Sounds of Subterrania eine Plattform zu geben. Man selbst findet es wichtig, der großen Lämmerherde eben diese Kunst entgegenzuhalten. Es geht darum Musik rauszubringen die Dinge sagt, die gesagt werden müssen, egal ob das Lieschen Müller hören will oder nicht. Es geht um Liebe. Um Hingabe und Verzweiflung. Um Wut und auch Trotz. Und das Bewusstsein, dass man auch die Welt verändert, wenn man gegen Windmühlen anrennt. Es geht um Widersprüche – um die in der Welt und die in der eigenen Brust. Es geht um Vieles und am wenigsten ums Geld. Die Aufgabe von Sounds of Subterrania sieht Samsa in dem Aufzeigen genau dieser Widersprüche. Seiner Meinung nach darf Kunst nicht auf massenhafte Verbreitung angewiesen sein, um überleben zu können. Ansonsten kann sie sich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Hier und Jetzt nicht mehr leisten, vielmehr will sie sich diese dann auch nicht mehr leisten. Es geht darum, frei zu denken und frei zu handeln und nicht mit der Masse zu konkurrieren, sondern ihr aufzuzeigen, was sonst noch möglich ist.

Samsas Motivation in allen Ehren… - Ja genau, darum geht’s nämlich hier: genau diese Motivation zu ehren. Und folgendes ehren wir gleich mit: DIY, Freundschaft, Underground, Fan-Sein, Nett und Fuck-you in Einem, seine Meinung sagen, auch wenn man sich damit keine Freunde macht, Leidenschaft und natürlich all’ die Leute, die das alles genau so leben.

Das Ox-Magazine hat es in einem Interview mit Gregor einmal so ausgedrückt: „Man merkt einfach, dass hier die Liebe zur Musik und dem, was neben der Musik an einer Platte wichtig ist, im Vordergrund steht und ein kommerzielles Kalkül stark in den Hintergrund tritt. Vielleicht sogar stärker, als es für die Finanzen eines Labels gut ist.“ Die Mission, die hinter Sounds of Subterania steht, ist sicherlich auch die Suche nach der perfekten Ästhetik, und zwar in jedem Detail einer Veröffentlichung. Es geht darum, der Quantität Qualität entgegenzusetzen. Das muss nicht immer über Konfrontation geschehen, aber sie wird in Kauf genommen. Samsa selbst setzt sich so intensiv mit der Musik und all seinen kulturellen Implikationen auseinander, dass er durch seine oftmals unglaublich aufwendigen Specialeditions die Musik im wahrhaftigsten Sinne würdigt. Er selbst sagte: „Ich mache Sounds of Subterrania hauptberuflich, mit der klaren Bedeutung des Begriffes. Ich stecke meine meiste Zeit in das Label, da ich das Label als meine Berufung verstehe. Leben kann ich davon nicht, so dass ich noch nebenbei arbeiten muss.“ „Die einzelne Platte kann und sollte vielleicht auch ein Denkmal für die Band sein.“ Jemand der so begeistert an etwas arbeitet, der kann Jeden überzeugen. Und darum geht es: Leute von guter Musik zu überzeugen.

Samsa hat sich noch nicht vom Revoluzzer zum Kreidefresser degradiert. Die alten Werte werden nicht durch Marktstrategien ersetzt. Samsa ist älter geworden und er hat auch jede Menge Erfahrungen gesammelt. Doch die Majors sind immer noch scheiße, weil ihr Prinzip scheiße ist. Und genau um die Bekämpfung dieses Prinzips geht es Samsa und nicht um seine Nachahmung.

Es ist eben nicht die Frage, ob man Geld verdient, sondern wie. Es ist eben nicht die Frage, ob 1000 Leute die Strophen mitsingen, sondern ob sie im Ansatz verstehen was sie überhaupt singen und vielleicht noch wichtiger warum. Es ist eben nicht die Frage, nur zu analysieren, wenn jemand fällt, dass jemand fällt, sondern ihm wieder auf die Beine zu helfen. All das beschäftigt Samsa und all das treibt ihn an. Es geht um Positionen und Prinzipien. Es geht um Moral und Liebe. Es geht um das Du, um das Ich und um das Wir.

Und so sieht´s aus, Samsas Worte: „Um mein Label zu verstehen, ist es wichtig zu verstehen, dass es um Musik und die Ernsthaftigkeit dahinter geht. Wenn wir über Kunst, egal in welcher Form, sprechen, ist nur diese gut, die ohne Kompromisse entsteht. Denn unsere innersten Gedanken sind ebenso kompromisslos. Es ist wichtig Dinge zu tun, die man machen will, genauso wie man sie machen will. Als Gegenentwurf. Dinge schaffen, die keiner vorher geschaffen hat. Als Statement, als Denk-Mal. Daher auch diese Special Editions, die Melt-Banana mit dem Wackelcover, die Monsters mit dem Puzzle, Amos - Showtime. Es geht um Kooperationen, um Dialog, um die Entwicklung von Standpunkten, um Moral in einer unmoralischen Welt. Um Aufklärung. Um Sinnstiftung. Um das Eintreten für eine bessere Welt.“

Genau deshalb soll Gregor Samsa die Indieaxt bekommen. Und wir wissen alle, es gibt noch einige mehr von seinem Kaliber da draußen, denen dieser Preis genauso zu Gesicht steht.

Website von Sound of Suterania:
www.soundsofsubterrania.com

Interviews mit Gregor Samsa:
im Trust (2008)
im ox-magazine (2006)


Tags: Die goldene Indieaxt,Indies,Kultur

Kategorie: Indies

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